Settingmystage Foto (c) Fotolia fitzkes

Bin ich unsichtbar? – Falsche Frage!

„Mitarbeiten darf ich, für ein Foto bin ich aber nicht gut genug?“ empörte sich meine Freundin J. unlängst. Zu recht war sie verärgert, hatte sie sich doch viele Stunden ehrenamtlich für diese Veranstaltung engagiert. Sie hat ihre Kontakte spielen lassen, für Medienpräsenz gesorgt, Sponsoren aufgetrieben, vieles organisiert, selbst produziert, zur Veranstaltung transportiert …

Auf den rund 150 Fotos, die die Fotografin anschließend ins Netz gestellt hatte, war sie kein einziges Mal drauf. Das tut weh, denn wahrgenommen zu werden ist wohl die mindeste Form von Anerkennung und Wertschätzung.

Aber …

… ist euch aufgefallen, dass es Menschen gibt, die öfter als andere auf „Adabei-Society-Fotos“ abgebildet sind? Da Veranstaltungen, wo Society-Fotografen sich herumtreiben, bei weitem nicht immer interessant, unterhaltsam und wichtig sind, kann es sich lohnen, sich die Zeit mit Beobachten zu vertreiben. Ziemlich sicher wird man folgende Typen ausfindig machen:

Die Viel-Fotografierten

Da gibt’s diejenigen, die mit gerecktem Hals Ausschau nach Fotografen halten und schon allein deshalb aus der Menge herausragen – kein Wunder, dass sie eher auffallen.

Die Perfekt-Gestylten, die gleich anfangs sicherstellen, fotografiert zu werden, möglichst mit (echten oder eingebildeten) Celebrities … das erhöht nämlich die Chance, es in die  Society-Presse zu schaffen und auf sozialen Plattformen eine hohe Reichweite zu erzielen, wenn man das Foto dann postet und dabei möglichst auch die Berühmtheit markiert. Außerdem kann es nicht schaden, wenn bekannt wird, in welch bekannten Kreisen man sich herumtreibt 😉

Dann gibt’s noch die, die selbstbewusst und ruhig warten, bis sie fotografiert werden. Ziemlich sicher wird ein Fotograf, eine Fotografin sich ihrer erbarmen, sind sie doch meist schräg, schön, laut oder sonst auffallend, und wissen genau, wie sie sich vor der Kamera benehmen müssen um „gut rüberzukommen“. Durften sie nach dem ersten Drittel noch nicht posieren – auch kein Problem: Sie bitten einfach darum und kommen so zu ihren gratis Profi-Fotos.

Anstrengend, finde ich. Aber die Mühe lohnt sich, denn es kann der eigenen Reputation und dem Selbstbewusstsein durchaus dienlich sein, wenn gute Fotos von einem im Umlauf sind.

Die VermeiderInnen

Es gibt natürlich auch solche wie mich: Ich finde, dass ich nicht besonders fotogen bin. In die Kamera zu lächeln ist mir ein Gräuel, so tun, als würde ich ganz natürlich lächeln, kann ich nicht, und die professionelle Foto-Haltung, die wenig Falten, ein prägnantes Kinn und die bestmögliche Figur garantiert, ohne gekünstelt zu wirken, habe ich auch noch nicht entdeckt. Also versuche ich, Fotografen zu ignorieren oder zu meiden. Mit dem Ergebnis, dass ich entweder mit Doppelkinn und geschlossenen Augen abgebildet bin oder gar nicht. Selber schuld!

Die oben erwähnte Freundin gehört weder zu den Foto-Affinen noch zu den Vermeiderinnen. Vielleicht hat der Fotograf sie übersehen. Vielleicht war er just zu dem Zeitpunkt, als sie präsent war, beschäftigt. Vielleicht hat er sie fotografiert und versehentlich den Belichtungsknopf verstellt, sodass die Fotos unter- oder überbelichtet waren. Vielleicht hatte sie die Augen zu und den Mund offen, und er war barmherzig und wollte sie so nicht der Öffentlichkeit preisgeben. Vielleicht. Vielleicht hat er sie absichtlich aussortiert. Weil er etwas gegen sie hat. Oder weil er sie toll findet und das Foto ganz für sich alleine haben wollte. Weil … wir wissen es nicht. Und es ist eigentlich auch egal.

Möglichkeit für Veränderung schaffen

 „… ich hab’s kommuniziert, damit kann es sich ändern. Oder auch nicht, dann werde ich etwas ändern!“, hat mir die Freundin via WhatsApp mitgeteilt, nachdem sie ihren Unmut auf jener sozialen Plattform kundgetan hatte, wo die Fotos publiziert worden waren. So selbstbewusst, wie manche ihre Fotos einfordern.

Anstatt ihren Ärger runterzuschlucken und sich im stillen Kämmerlein mit unnützen Gedanken zu quälen à la „Bin ich unsichtbar?“, „Wird meine Arbeit nicht geschätzt?“, „Hat der / die FotografIn ein Problem mit mir?“…  hat sie genau jene angesprochen, die – vielleicht – wissen, wie es dazu kommen konnte, dass sie auf keinem Foto präsent ist. Das mögen manche für überzogen halten, andere für gerechtfertigt. Jedenfalls ist es zielführend. Denn was sich wer warum wann gedacht haben könnte, wissen wir nicht. Was bei uns wie ankommt, können wir aber sagen. Um damit Gedanken, die zu nichts führen, keinen Raum zu geben und die Möglichkeit für Veränderung zu schaffen.

 

Foto: (c) Fotolia fitzkes

 

 

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