I feel pretty!

Schön hab ich mich eigentlich nie gefühlt, zumindest nicht so richtig schön wie die ganz Schönen halt. Aber attraktiv schon. Oh ja! Und lebendig, schnell, sprudelnd, quietschvergnügt, voller Temperament, fröhlich, ansteckend, empathisch und sogar charismatisch. Da gab es viele Situationen in meinem Leben, in denen ich mich – wenn ich ich jetzt zurückdenke – sogar hammermäßig attraktiv gefühlt habe. Fast schon schön 😊

Und trotzdem waren da die Phasen, in denen ich mir lange Beine, lange Haare, zwanzig Zentimeter mehr und zwanzig Kilo weniger gewünscht habe. Sehnlich und doch vergeblich. Phasen, in denen ich mich zurückgewiesen gefühlt habe – beruflich und privat, weil mir (vermeintlich) diese zwanzig Zentimeter mehr und weniger gefehlt haben, weil das größte Kompliment, das ich bekommen habe, war: Du hast aber schöne Augen! Dabei wollte ich doch ganz was anderes hören… Tja, wer nicht.

Drum war meine Aufmerksamkeit groß , als vor kurzem der Film „I feel pretty“ erschienen ist. Eine junge Frau arbeitet bei einer Kosmetikfirma und weiß, wie man sich als Durchschnittperson in der Welt der Schönen fühlt. Nach einem Unfall im Fitnessstudio sieht sie sich jedoch komplett verwandelt und bildet sich ein, wunderschön zu sein. Zwar sieht sie für alle anderen genauso aus wie zuvor, aber mit dem vermeintlichen Zauber entwickelt sie ein neues Selbstvertrauen, das ihr hilft, zügig die Karriereleiter hinaufzuklettern und dabei den Respekt ihres Idols und ihrer Chefin zu gewinnen. Doch dann verblasst der „Zauber“ wieder. Hart für die junge Frau, die aber daraus lernt, dass sie schön IST, weil sie ist, wie sie ist.

 

Nichts macht uns so schön wie die Akzeptanz und die Freude über das eigene SEIN, das ICH.

 

Und das ist mein ganz persönlicher Lerneffekt aus diesem humorvollen und doch so ernsten Film, den ich gern teile: Nichts macht uns so schön wie die Akzeptanz und die Freude über das eigene SEIN, das ICH. Der Glaube an sich selbst, das feine Selbst-Bild und die Liebe zu sich selbst sind wichtige Zutaten dafür, selbst-bewusst und schön durch das Leben zu tanzen und die eigene Bühne zu rocken. Wer es schafft, die Freude an sich selbst zu nähren, das SEIN zu leben und das daraus resultierende TUN zu mögen, der kommt sich selbst ein großes Stück näher. Und damit auch der ureigenen Schönheit.

Deshalb…set your stage and feel pretty 😊 Ich bin dabei!

 

Ein Plädoyer für die Leere

Alles ist möglich! Dieses Gefühl überkommt mich meist im Urlaub, am verlängerten Wochenende, an dem nichts geplant ist, außer Offenheit für und Neugier auf das, was kommt. Einen Roman schreiben, einen Veranstaltungsraum mieten, der genauso aussieht, wie ich mir das in meinen Träumen regelmäßig ausmale, alle meine Ideen und noch zehn weitere tolle Projekte verwirklichen, den Winter kreativ arbeitend in wärmeren Gefilden am Meer verbringen … und mit all dem auch noch soviel zu verdienen, dass ich gut davon leben kann. Außerdem: Gesangsunterricht nehmen (ich kann nicht gut singen, es würde mir aber Spaß machen!), viel bewusster einkaufen (nur das, was ich nachher nicht bereue!), abnehmen, dreimal pro Woche Jogging oder Walking und mich rundherum wohlfühlen… kein Problem: Ich tu’s einfach!

Und dann kommt der Montag Morgen: Zeit, um wenigstens EINEN der Träume in Richtung Realisierung voranzutreiben? Wenigstens EINEN guten Vorsatz zu umzusetzen? Später. Denn bevor ich mich an den Schreibtisch setze, muss noch rasch die Waschmaschine entleert und wieder mit einer neuen Ladung Schmutzwäsche befüllt werden. Dann die notwendigen Routinearbeiten, wie die Website warten, Mails beantworten, eine Recherche abschließen, einen dringenden Auftrag erledigen, Termine checken … Dabei werde ich aufgehalten, weil ich für Tochter 1 einen Kurs suchen und buchen muss, für Tochter 2 eine Überweisung checken. Dann bestelle ich noch rasch meine Kontaktlinsen online nach und fahre zum Supermarkt, um wenigstens ein paar Grundnahrungsmittel einzukaufen…

… und plötzlich ist es Abend. Die Bilanz des Tages: Routinearbeiten und Alltagskram erledigt, für meine eigenen Ideen und Herzensprojekte war leider keine Zeit, ebenso wenig dafür, zwischendurch bei einem Spaziergang oder einer Jogging-Runde das Hirn freizubekommen und mir dabei etwas Gutes zu tun. Vom ständigen Sitzen tut mir das Kreuz weh, ich muss dringend nach Hause, um mich wenigstens zum Abendessen bei der Familie blicken zu lassen, dann sinke ich ermattet vor dem Fernseher auf die Couch und verplempere meine Freizeit mit der Montag-Abend-Serie anstatt eine Runde um den See zu laufen oder im Bett, einen spannenden Thriller lesend, anstatt mir Gedanken über einen eigenen Roman zu machen.

Zugegeben: Das ist nicht immer so. Aber viel zu oft. Und meine Träume, Ideen, Herzensprojekte, die mir im Urlaub so einfach erscheinen, rücken in den Hintergrund. Nicht, dass ich sie vergessen würde – im Gegenteil: „Tu’s doch endlich!“ rufen sie mir immer noch zu und machen mir ein schlechtes Gewissen. Denn jetzt erscheint mir diese Aufforderung nahezu unmöglich: Keine Zeit, kein Startkapital, keinen passenden Raum, keine … es gibt 1000 Gründe, warum das scheinbar Einfache plötzlich unrealisierbar erscheint.

 

Was lerne ich daraus?

Leere bietet Möglichkeiten. (c) Setting my Stage - Su Sametinger

© Setting my Stage – Susanne Sametinger

 

Leere bietet Möglichkeiten – (Über- )Fülle lässt keinen Raum für Neues!

 

Wann kommen die Ideen, die Wünsche? Wann habe ich das Gefühl, genau zu wissen, was „mein Ding“ ist und das Vertrauen und die Zuversicht, dass ich es schaffe, es zu realisieren? Immer dann, wenn ich eine gewisse Leere zulasse. Im Urlaub (den ich nur in Ausnahmefällen und sehr ungern mit Aktivitäten verplane), am freien Wochenende, bei der Jogging-Runde ohne Kilometerzähler und Puls-Uhr … Deshalb: Lasst mehr Leere zu! Keine Routinetätigkeit der Welt kann so wichtig sein, dass wir uns der Chancen berauben, die sie uns bietet!

 

 

 

Geben und Nehmen

Ich gebe, du nimmst. Ich gebe, er nimmt. Ich gebe, sie nimmt…

Ein Thema, mit dem ich meine Bühne schon fast das ganze Leben lang bespiele.  Nicht in dieser Dramaturgie, wie die Einleitung vermuten lässt, aber doch so, dass es mich immer wieder beschäftigt, dieses leidige Thema.

Und das obwohl ich mich regelmäßig damit beschäftige, wie ich Geben und Nehmen in Einklang bringen kann, wie ich es schaffen könnte, dass weniger oft ein herber Geschmack bleibt, wenn ich meine Ideen versprüht, mit meiner Leidenschaft motiviert und mit meiner Begeisterung angesteckt habe. Und dann nichts bleibt oder gar zurückkommt.

Dass es sich im Sinne von Altruismus – geben, ohne etwas zu erwarten – leichter leben lässt, ist mir klar. Auch die Hoffnung, dass alles Gute irgendwann zu mir zurückkommt, habe ich noch nicht aufgegeben und dass der Mensch in früher Vorgeschichte teilen musste, um überhaupt zu überleben, habe ich als Geschichtestudentin verinnerlicht. Wenn da bloß diese bizzlige Waagschalentante in mir nicht immer laut aufjaulen würde, wenn sich jemand eine meiner Ideen klaut oder sie ganz selbstverständlich zur eigenen macht, wär alles in Butter. Ist es aber nicht, denn diese Bizzlerin in mir quält mich manchmal ganz schön. Sie findet es einfach uncool, wenn ich beispielsweise vor mich hin tickle, weil wieder mal bei einer Projektpräsentation vergessen wurde, dass die Idee dazu von mir kam, dass das Design eines Seminars meinen kreativen Schriftzug trägt, dass ein Workshop von mir (und nicht von xy) konzipiert worden ist, dass bei der Dankesrede nach einer Veranstaltung mein Name fehlt oder ich einfach übersehen werde, wenn es um „Welche Expertin fragen wir…“ geht. Und die Bizzltant hat ja sogar ein bissl recht. Anstatt klar und freundlich zu sagen, was ich sagen möchte, was ich kann, was ich brauche, was Sache ist, tickle ich vor mich hin, werde dabei täglich missmutiger und uncooler, behalte meine Ideen lieber für mich, als sie sprudelnd zu verteilen (was auch unlustig ist) und bleib lieber auf der grauen Couch liegen, als mich bunt und fröhlich unters Volk zu mischen.

Damit ist jetzt Schluss

Die Waagschalentante hat mir ein Ultimatum gesetzt. Jetzt oder nie! Und ich hab das Ultimatum angenommen und über erste Lösungsansätze nachgedacht.

  • Geben und Nehmen muss nicht immer im Gleichklang sein, es muss aber so ausgeglichen sein, dass ich damit zufrieden bin und nichts und niemand in mir grummelt.
  • Wenn Geben und Nehmen weit auseinanderklaffen, werde ich künftig nicht mehr nur tickeln, sondern mich selber beim Schopf packen und Schritt für Schritt lernen (und praktizieren), meine Gedanken und meine Gefühle zu kommunizieren, um das Gleichgewicht wiederherzustellen.
  • Immer dann, wenn eines meiner Projekte oder eine meiner Ideen umgesetzt und präsentiert werden, stelle ich mich nicht mehr (nur vermeintlich bescheiden, in Wirklichkeit enttäuscht und hadernd) hinten an und warte (wie früher oft vergeblich) darauf, dass die anderen mich „auf die Bühne“ holen. Nein! Ich nehme den Platz, den ich mir verdient und erarbeitet habe, freundlich lächelnd ein und genieße es.
  • Ich teile gern, ich sprudle gern, ich liebe es, Ideen und kreative Ansätze auf den Weg zu bringen. Und das soll auch so bleiben ? Bizzlige Waagschalentante hin oder her.

#setting my stage. Wer sonst, wenn nicht ich selber, kann meine eigene (Lebens)Bühne so bespielen, dass es Spaß macht, sie zu betreten.

(c) Fotolia mch67

Bin ich unsichtbar? – Falsche Frage!

„Mitarbeiten darf ich, für ein Foto bin ich aber nicht gut genug?“ empörte sich meine Freundin J. unlängst. Zu recht war sie verärgert, hatte sie sich doch viele Stunden ehrenamtlich für diese Veranstaltung engagiert. Sie hat ihre Kontakte spielen lassen, für Medienpräsenz gesorgt, Sponsoren aufgetrieben, vieles organisiert, selbst produziert, zur Veranstaltung transportiert …

Auf den rund 150 Fotos, die die Fotografin anschließend ins Netz gestellt hatte, war sie kein einziges Mal drauf. Das tut weh, denn wahrgenommen zu werden ist wohl die mindeste Form von Anerkennung und Wertschätzung.

Aber …

… ist euch aufgefallen, dass es Menschen gibt, die öfter als andere auf „Adabei-Society-Fotos“ abgebildet sind? Da Veranstaltungen, wo Society-Fotografen sich herumtreiben, bei weitem nicht immer interessant, unterhaltsam und wichtig sind, kann es sich lohnen, sich die Zeit mit Beobachten zu vertreiben. Ziemlich sicher wird man folgende Typen ausfindig machen:

Die Viel-Fotografierten

Da gibt’s diejenigen, die mit gerecktem Hals Ausschau nach Fotografen halten und schon allein deshalb aus der Menge herausragen – kein Wunder, dass sie eher auffallen.

Die Perfekt-Gestylten, die gleich anfangs sicherstellen, fotografiert zu werden, möglichst mit (echten oder eingebildeten) Celebrities … das erhöht nämlich die Chance, es in die  Society-Presse zu schaffen und auf sozialen Plattformen eine hohe Reichweite zu erzielen, wenn man das Foto dann postet und dabei möglichst auch die Berühmtheit markiert. Außerdem kann es nicht schaden, wenn bekannt wird, in welch bekannten Kreisen man sich herumtreibt 😉

Dann gibt’s noch die, die selbstbewusst und ruhig warten, bis sie fotografiert werden. Ziemlich sicher wird ein Fotograf, eine Fotografin sich ihrer erbarmen, sind sie doch meist schräg, schön, laut oder sonst auffallend, und wissen genau, wie sie sich vor der Kamera benehmen müssen um „gut rüberzukommen“. Durften sie nach dem ersten Drittel noch nicht posieren – auch kein Problem: Sie bitten einfach darum und kommen so zu ihren gratis Profi-Fotos.

Anstrengend, finde ich. Aber die Mühe lohnt sich, denn es kann der eigenen Reputation und dem Selbstbewusstsein durchaus dienlich sein, wenn gute Fotos von einem im Umlauf sind.

Die VermeiderInnen

Es gibt natürlich auch solche wie mich: Ich finde, dass ich nicht besonders fotogen bin. In die Kamera zu lächeln ist mir ein Gräuel, so tun, als würde ich ganz natürlich lächeln, kann ich nicht, und die professionelle Foto-Haltung, die wenig Falten, ein prägnantes Kinn und die bestmögliche Figur garantiert, ohne gekünstelt zu wirken, habe ich auch noch nicht entdeckt. Also versuche ich, Fotografen zu ignorieren oder zu meiden. Mit dem Ergebnis, dass ich entweder mit Doppelkinn und geschlossenen Augen abgebildet bin oder gar nicht. Selber schuld!

Die oben erwähnte Freundin gehört weder zu den Foto-Affinen noch zu den Vermeiderinnen. Vielleicht hat der Fotograf sie übersehen. Vielleicht war er just zu dem Zeitpunkt, als sie präsent war, beschäftigt. Vielleicht hat er sie fotografiert und versehentlich den Belichtungsknopf verstellt, sodass die Fotos unter- oder überbelichtet waren. Vielleicht hatte sie die Augen zu und den Mund offen, und er war barmherzig und wollte sie so nicht der Öffentlichkeit preisgeben. Vielleicht. Vielleicht hat er sie absichtlich aussortiert. Weil er etwas gegen sie hat. Oder weil er sie toll findet und das Foto ganz für sich alleine haben wollte. Weil … wir wissen es nicht. Und es ist eigentlich auch egal.

Möglichkeit für Veränderung schaffen

 „… ich hab’s kommuniziert, damit kann es sich ändern. Oder auch nicht, dann werde ich etwas ändern!“, hat mir die Freundin via WhatsApp mitgeteilt, nachdem sie ihren Unmut auf jener sozialen Plattform kundgetan hatte, wo die Fotos publiziert worden waren. So selbstbewusst, wie manche ihre Fotos einfordern.

Anstatt ihren Ärger runterzuschlucken und sich im stillen Kämmerlein mit unnützen Gedanken zu quälen à la „Bin ich unsichtbar?“, „Wird meine Arbeit nicht geschätzt?“, „Hat der / die FotografIn ein Problem mit mir?“…  hat sie genau jene angesprochen, die – vielleicht – wissen, wie es dazu kommen konnte, dass sie auf keinem Foto präsent ist. Das mögen manche für überzogen halten, andere für gerechtfertigt. Jedenfalls ist es zielführend. Denn was sich wer warum wann gedacht haben könnte, wissen wir nicht. Was bei uns wie ankommt, können wir aber sagen. Um damit Gedanken, die zu nichts führen, keinen Raum zu geben und die Möglichkeit für Veränderung zu schaffen.

 

Foto: (c) Fotolia fitzkes